Erstes DC-Grid für E-Busse in der Schweiz

Die Elektrifizierung von Busflotten ist in vollem Gange. Doch wer glaubt, dass es reicht, neue Fahrzeuge anzuschaffen und ein paar Ladestationen zu installieren, unterschätzt die Komplexität. Denn die eigentliche Herausforderung liegt nicht im Bus – sondern im Energiesystem dahinter.

Ein Paradigmenwechsel in der Ladeinfrastruktur

Leistungs­erbringer

Genau hier setzt ein Pionierprojekt am Rohrdorferberg an: das erste DC-Grid für E-Busse in der Schweiz. Gemeinsam mit der BKW realisiert Steffen Bus ein solches System und geht damit bewusst einen neuen Weg. Statt klassischer AC-Strukturen mit einzelnen Ladepunkten setzt das Projekt auf ein zentrales Gleichstromnetz, das die Energie intelligent, flexibel und bedarfsgerecht auf die Busflotte verteilt. Dadurch werden Umwandlungsverluste reduziert und die verfügbare Leistung optimal genutzt. Mit Ladeleistungen von über 500 kW entsteht so eine Infrastruktur, die sowohl den aktuellen Anforderungen entspricht als auch auf weiteres Wachstum ausgelegt ist. 

Vom Fahrzeug zum Gesamtsystem

Die Elektrifizierung der Flotte wurde bei Steffen Bus früh als Systemaufgabe verstanden. «Für uns war schnell klar: Wenn wir unsere Flotte elektrifizieren, müssen wir das gesamte Depot neu denken», beschreibt Dominik Steffen, Co-Geschäftsführer und Inhaber von Steffen Bus, den Ansatz. Denn Themen wie Netzanschluss, Lastmanagement und Betriebsabläufe sind entscheidend für einen stabilen und wirtschaftlichen Betrieb. Ein Elektrobus ohne intelligentes Lademanagement und integrierte Energieplanung kann schnell zum Risiko werden – technisch wie finanziell. 

Ladesystem von Eloaded bei Steffen Bus

Ladesystem von eLoaded bei Steffen Bus

Hier kommt die BKW ins Spiel. Als Systempartnerin bringt sie ihre Kompetenz in der Planung und Integration von Energie- und Ladelösungen ein. Ziel ist es, Ladeinfrastruktur nicht isoliert zu betrachten, sondern als Teil eines umfassenden Energiesystems – von der Konzeption über die Umsetzung bis hin zum Betrieb und der Energiebeschaffung. «Die grösste Herausforderung liegt im Systemdesign. Es geht darum, Leistung, Netz und Betrieb optimal aufeinander abzustimmen», erklärt Fabian Kallen, Leiter BKW Smart Mobility. 

Von der Idee zur Umsetzung

Der Weg zur Umsetzung war entsprechend anspruchsvoll. Wie viel Leistung wird tatsächlich benötigt? Wann laden die Busse – und wie viele gleichzeitig? Wie lässt sich das System skalieren, ohne die Kosten unverhältnismässig zu erhöhen? Diese Fragen zeigen, wie komplex moderne Ladeinfrastruktur ist. Gleichzeitig machen sie deutlich, warum integrierte Lösungen zunehmend an Bedeutung gewinnen. 

Das Projekt liefert wichtige Erkenntnisse für die Branche. Es zeigt, dass Ladeinfrastruktur von Anfang an strategisch gedacht werden muss, dass Skalierbarkeit und Systemintegration entscheidend sind und dass Partnerschaften eine zentrale Rolle spielen. Denn die Elektrifizierung des öffentlichen Verkehrs ist kein Einzelprojekt – sie ist ein Transformationsprozess. 

 

Elektropostauto bei Steffen Bus

Drei Fragen an Dominik Steffen

Was war der wichtigste Treiber für das Projekt?
Unsere Flotte wird elektrisch – also mussten wir die Infrastruktur neu denken.

Was war die grösste Herausforderung?
Nicht die Busse selbst, sondern das Zusammenspiel des gesamten Ökosystems: Ladeinfrastruktur, Energieverfügbarkeit, Leistungsmanagement sowie operative Einsatzplanung. Die eigentliche Herausforderung liegt darin, diese Elemente frühzeitig integriert zu denken – inklusive Planungstools und Energiemanagement bis hin zum Energieeinkauf in einer definierten Endausbaustufe.

Was würden Sie anderen empfehlen?
Frühzeitig mit einem erfahrenen Systempartner zusammenarbeiten – fehlende Abstimmung führt schnell zu Mehrkosten. Gleichzeitig sollte die Investition konsequent auf eine Nutzungsdauer von mindestens zehn Jahren ausgelegt sein, um mit den technologischen Entwicklungen im Bereich der E-Busse Schritt zu halten.

Portrait Dominik Steffen
Dominik Steffen, Co-Geschäftsführer/Inhaber Steffen Bus

Drei Fragen an Fabian Kallen

Warum ist ein DC-Grid sinnvoll?
Ein DC-Grid ist sinnvoll, weil es Energie effizient, flexibel und verlustarm genau dorthin verteilt, wo sie gebraucht wird. Im Gegensatz zu klassischen AC-Strukturen mit einzelnen Ladepunkten basiert es auf einem zentralen Gleichstromnetz, das die Ladeleistung bedarfsgerecht auf die gesamte Busflotte verteilt. Dadurch entstehen weniger Umwandlungsverluste, die vorhandene Netzleistung wird optimal genutzt und hohe Ladeleistungen von über 500 kW sind ohne überdimensionierte Einzelanschlüsse möglich. Zudem lässt sich das System einfach skalieren, sodass zusätzliche Busse ohne grundlegende Umbauten integriert werden können. Damit ist das DC-Grid ein zukunftsfähiger Ansatz für das Energiemanagement im Depot.

Was ist der grösste Mehrwert für Kunden?
Der grösste Mehrwert für Kunden liegt nicht im einzelnen Ladepunkt, sondern in einem ganzheitlichen, zukunftssicheren Energiesystem. Für Betreiber bedeutet das eine hohe Betriebssicherheit durch intelligentes Last- und Lademanagement, planbare Kosten dank optimal abgestimmter Leistung und Netzanschluss sowie mehr Flexibilität im täglichen Betrieb, etwa bei geänderten Umläufen oder Ladefenstern. Gleichzeitig bleibt die Infrastruktur wachstumsfähig, ohne dass sie bei Erweiterungen jedes Mal neu konzipiert werden muss.

Was kommt als Nächstes?
Als Nächstes folgt die intelligente Verknüpfung von Laden, Erzeugen, Speichern und Steuern. Photovoltaik und Batteriespeicher werden direkt ins DC-Grid integriert, sodass Solarstrom ohne Umwege genutzt oder zwischengespeichert werden kann, um Lastspitzen zu reduzieren und den Netzanschluss zu entlasten. So entwickelt sich die Ladeinfrastruktur zu einem aktiven Energiesystem, in dem Ladezeiten, Erzeugung, Speicher und Betrieb optimal aufeinander abgestimmt und Energieflüsse in Echtzeit effizient gesteuert werden.

Portrait Fabian Kallen
Fabian Kallen, Leiter BKW Smart Mobility

Ladeinfrastruktur live erleben

Im April 2026 wurde das Projekt im Rahmen der Electric Experience erstmals einem breiteren Fachpublikum vorgestellt – und stiess auf grosses Interesse. 

Über 50 Teilnehmende aus Verkehrsbetrieben, Energieunternehmen und Politik nutzten die Gelegenheit, sich vor Ort ein Bild zu machen und sich mit Fachpersonen auszutauschen. 

DC-Kabel eLoaded
DC-Kabel des eLoaded Systems

Im Fokus standen: 

  • praxisnahe Einblicke in die Umsetzung des DC-Grids
  • konkrete Learnings aus dem Projekt
  • Live-Demonstrationen der Ladeinfrastruktur
  • intensiver Austausch beim Networking

Besonders geschätzt wurde der direkte Dialog zwischen Betreiber und Systempartner sowie die Möglichkeit, die Technologie im realen Betrieb zu erleben. 

«Ich bedanke mich herzlich für die tolle Veranstaltung. Ihr wart ausserordentlich gute Gastgeber und eloaded finde ich eine sehr spannende Alternative zum Gewohnten, alles DC leuchtet eigentlich ein».
(Teilnehmer Electric Experience @Steffen Bus)

Die Electric Experience hat nicht nur Wissen vermittelt, sondern konkrete Impulse für Folgeprojekte geschaffen. 

Interesse geweckt?
Möchten Sie mehr über DC-Grid-Lösungen erfahren oder die Anlage vor Ort besichtigen? Kontaktieren Sie uns – wir beraten Sie gerne individuell und zeigen Ihnen, wie auch Ihr Projekt von einer integrierten Ladeinfrastruktur profitieren kann.

Bildschirm mit Ladeständen bei Steffen Bus
Bildschirm mit aktuellem Ladestand der E-Busse

Kontakt

Wenn die Elektrifizierung Ihrer Flotte für Ihr Unternehmen ein Thema ist, unterstützen wir Sie gerne – von der Analyse bis zur Umsetzung.

Erstes DC-Grid für E-Busse in der Schweiz

Erstes DC-Grid für E-Busse in der Schweiz

BKW Smart Mobility realisierte für Steffen Bus das erste DC-Grid für E-Busse in der Schweiz mit einer 2-MW-Depotladeinfrastruktur und 16 Ladepunkten

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