Leistungserbringer
Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien nimmt die Volatilität im Stromsystem zu. Stromproduktion und -verbrauch müssen immer kurzfristiger aufeinander abgestimmt werden. Batterien können hier eine wichtige Rolle spielen, weil sie sehr schnell reagieren und Strom sowohl aufnehmen als auch abgeben können. Doch diese technische Fähigkeit allein reicht nicht aus. Entscheidend ist, wie die Batterie am Markt eingesetzt wird.
Die Einschränkung ist nicht nur die Kapazität, sondern der richtige Einsatzzeitpunkt
Der technische Betrieb stellt sicher, dass die Batterie einwandfrei läuft. Die Bewirtschaftung entscheidet, wann und wie ihre Flexibilität am Markt eingesetzt wird. Eine Batterie kann zwar sehr schnell reagieren, ihre Speicherkapazität ist aber begrenzt. Wird sie bei voller Leistung eingesetzt, reicht das gespeicherte Energievolumen oft nur für wenige Stunden. Das heisst: wird sie zu früh eingesetzt, kann sie später bei einer noch vorteilhafteren Marktsituation nicht mehr eingesetzt werden.
Angenommen, eine Batterie kann vier Stunden pro Tag mit voller Leistung eingesetzt werden (dies ist ein typischer Ladezyklus für Grossbatterien). Die zentrale Frage lautet dann: Wann ist der Einsatz der Batterie am wertvollsten? Denn es muss entschieden werden, ob sie ihre Flexibilität im Day-ahead-Markt, im Intraday-Handel oder für Regelenergie einsetzt (siehe Erklärung zu den Märkten in der Info-Box). Diese Entscheidung hängt von Preisen, Prognosen und dem Ladezustand der Batterie ab.
Die BKW verbindet dafür ihren Marktzugang mit ihrer Handelskompetenz. Ersteres bedeutet, dass die BKW einen Zugang zu den Börsen hat, um den Strom zu handeln, die Batterien technisch an das Stromnetz anbindet und diese beim Netzbetreiber für die Teilnahme am Regelenergiemarkt anmeldet. Zweiteres bedeutet, dass die BKW die Märkte kennt und einschätzen kann, wo die Flexibilität einer Batterie den grössten Wert schafft. Dazu gehört die Erfahrung aus dem Stromhandel ebenso wie das Verständnis dafür, wie eine Batterie technisch eingesetzt werden kann. Die Batterie wird damit nicht nach einem fixen Schema gefahren, sondern laufend und automatisiert entlang von Marktchancen und technischen Möglichkeiten bewirtschaftet.
An welchen Märkten kann eine Batterie eingesetzt werden?
- Day-ahead-Markt
- Ein Auktionsmarkt für den Folgetag. Für jede Viertelstunde können Gebote abgegeben wer-den. Der Zuschlag hängt von Angebot und Nachfrage ab.
- Intraday-Markt
- Ein kontinuierlicher Markt, auf dem Viertelstundenprodukte bis kurz vor Lieferung gehandelt werden können. Dadurch können neue Informationen, Preisbewegungen oder Prognoseände-rungen kurzfristig berücksichtigt werden.
- Systemdienstleistungen / Regelenergie
- Produkte, die Netzbetreiber beschaffen, um die Netzstabilität zu gewährleisten. Wer einen Zuschlag erhält, hält Leistung vor und kann bei Bedarf aktiviert werden.
Was entscheidet über den wirtschaftlichen Erfolg?
Ob eine Batterie wirtschaftlich erfolgreich bewirtschaftet wird, hängt von mehreren Faktoren ab. Wichtig ist eine hohe technische Verfügbarkeit (keine Ausfälle und keine starke Degradierung über die Zeit), möglichst wenige Einschränkungen vom Stromnetz und ein sehr gutes Verständnis sowie der Zugang zu den relevanten Märkten. Gleichzeitig zählt Geschwindigkeit. Gerade bei Multimarkt-Batterien verändern sich Preise, Prognosen und Verfügbarkeiten laufend. Damit die Batterie darauf reagieren kann, müssen Informationen schnell verarbeitet und in konkrete Entscheidungen übersetzt werden. Aus aktuellen Daten entstehen Prognosen. Diese zeigen zum Beispiel, wie sich Preise oder Marktchancen entwickeln könnten. Darauf basierend berechnen Optimierungsmodelle den sinnvollsten Einsatz der Batterie. Anschliessend müssen die Handelsentscheidungen umgesetzt und als Fahrplansignale an die Batterie übermittelt werden.
Diese Abfolge muss schnell und zuverlässig funktionieren: Daten werden erfasst, Prognosen aktualisiert, der Einsatz berechnet, Handelsentscheidungen umgesetzt und die Batterie entsprechend gesteuert. Und das rund um die Uhr, in jeder Viertelstunde. Deshalb sind automatisierte Handelsprozesse, sogenanntes Algotrading, ein stabiles IT-Setup, technisches Verständnis des Assets und die Erfahrung der Trading-Teams entscheidend.
Zudem gilt es zu beachten, dass die Batteriebewirtschaftung nicht in jedem Land gleich funktioniert. Marktmechanismen, Produkte, regulatorische Anforderungen und operative Prozesse unterscheiden sich je nach Strommarkt. Genau deshalb sind Projekte in verschiedenen Ländern wichtig für den Aufbau einer breiten Bewirtschaftungskompetenz. Mit Projekten in der Schweiz, Darstadt/Stalldorf in Deutschland, Hauts-de-France und Centre-Val de Loire in Frankreich und Norditalien baut die BKW ihr Wissen bereits in vier zentralen Flexibilitätsmärkten Europas gezielt aus.
Vom Speicher zum Marktteilnehmer
Batterien sind bereits ein wichtiger Baustein des Energiesystems und werden in Zukunft noch zentraler werden. Entscheidend ist aber, sie nicht nur als Speicher zu verstehen. Ihr Wert entsteht, wenn ihre Flexibilität aktiv bewirtschaftet und an den richtigen Märkten eingesetzt wird. So wird aus technischer Flexibilität handelbare Flexibilität. Und aus einem Speicher ein aktiver Marktteilnehmer.
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